Nach dem ganzen Gejammer der letzten Posts, gibt's heute endlich mal wieder etwas zu den schönen Sachen des Lebens:
#298 My new perfume
Mein neues Lieblingsparfum. Einmal gerochen und sofort verliebt. Zwar erst mal wegen des Preises gezögert und den Kauf auf ein anderes mal verschoben - könnte ja immerhin sein, dass ich es beim nächsten Probeschnuppern nicht mehr so toll finde - dann aber am nächsten Tag von meiner Tante geschenkt bekommen. Ich liebe diesen Duft: so schön frisch, blumig und warm. "Passt" zwar nicht gerade zum aufkommenden Herbst und Winter aber warum nicht ein bisschen Frühling und Sommer mit sich tragen?
"Glamorous Magnolia" aus der Serie ist übrigens auch toll, also bei Gelegenheit einfach mal dran riechen ;)

Was ist euer Lieblinsparfum? Macht ihr da je nach Jahres- oder Tageszeit Unterschiede? 
Ich sitze gerade schon seit Stunden hier an meinem MacBook und schreibe alles auf. Unsere ganze Geschichte, vom Kennenlernen über den ersten Kuss in der Silvesternacht kurz nach 00:00 Uhr, als wir ganz alleine draußen waren, bis hin zum Ende.
 Jeden schönen Moment. Jedes Detail, an das ich mich erinnern kann. Jedes Gefühl. Alles. 
Tausende von Worten auf vielen, vielen Seiten, die ich zwischendrin nicht mal mehr lesen kann, weil meine Augen undicht sind.
Ich schreibe das auf, um die ausgedruckten Seiten am Ende in den Karton zu all den anderen Sachen und Erinnerungen von und an ihn legen zu können. Damit ich einfach keine Angst mehr haben muss, irgendetwas jemals zu vergessen. 
Es wird immer so bleiben: unverändert, unverfälscht. Unsere ganze Geschichte. Ein wichtiges Kapitel in meinem Leben. 
Ein Teil meiner künftigen Vergangenheit.
Ich kann die Endlosschleife, in der all die Erinnerungen und Gedanken momentan in meinem Kopf abgespult werden, endlich pausieren. Ein kleines bisschen loslassen. Ich fühl mich 100 Kilo leichter. Freier, auch wenn ich noch gar nicht frei sein will.
Bestimmt kram ich alles in ein paar Jahren hervor, lese es mir durch und lache darüber, dass ich jetzt im Moment der festen Überzeugung bin, niemals wieder in meinem Leben von ganzen Herzen lachen zu können. 
Danke für eure lieben Kommentare und Meinungen, ganz besonders auch an den ersten anonymen Schreiber.

Aber ich möchte das und meine Entscheidung was mein Studium betrifft doch noch etwas genauer erklären und dazu muss ich etwas weiter ausholen, es wird also wahrscheinlich ein recht bzw. sogar sehr, sehr, sehr langer Post mit viel Gejammere und es wäre schön, wenn's sich ein paar von euch 752 trotzdem durchlesen würden, auch wenn's keine schönen Fotos dazu gibt.

Anfangen werde ich wohl am besten mit den Fakten. Schon seit Jahren beschäftige ich mich damit, was ich nach der Schule machen möchte. Studieren, das stand irgendwie schon immer fest, die große Frage, die auch nach dem Abi und etlichen immer und immer wieder umgekrempelten Entscheidungen blieb, war: Was?
Ich hab mich quer durch Studienführer gewälzt, Selbsterkenntnisfragebögen ausgefüllt, stundenlang im Intrnet recherchiert, mir Gedanken über meine Talente gemacht und mich gefragt, was mir später in meinem Beruf wichtig sein wird. Gutes Gehalt natürlich, man möchte sich ja schließlich auch mal was gönnen können, ein sicherer Arbeitsplatz mit geregelten Arbeitszeiten der am besten auch noch lokal fix ist. Aufstiegsmöglichkeiten wären auch nicht schlecht. Da ich später ja vielleicht auch mal den Wunsche nach einer Familie entwickeln könnte, sollte das auch in Einklang gebracht werden können. Und Spaß soll's machen, ist ja klar. 
Aber wer wünscht sich all das nicht? Und welcher Beruft erfüllt schon all diese Anforderungen?

Ich persönlich bewundere ja Leute, die einfach schon Jahre bevor die Entscheidung endgültig gefällt werden muss, wissen, was sie machen wollen und auch keine Zweifel daran aufkommen lassen. Das kann ich einfach nicht. Ich denke zu viel nach, fixier mich zu sehr auf mögliche Probleme, zweifle an mir selbst und kriege Angst. Bin wohl doch nicht so stark, wie ich's gerne wäre.
Das einzige Studium, mit dem ich schon seit Jahren liebäugle ist Psychologie, aber die Plätze sind eben sehr begehrt, der NC ist hoch und meinen Abi-Schnitt habe ich im letzten Schuljahr in den Sand gesetzt, weil ich zu oft krank war und gefehlt habe. Teilweise aber auch einfach durch extrem unfaire Benotungen - Tut mir ja leid, dass ich beispielsweise meine Kunstarbeit nicht abgegeben konnte, während ich (mit Attest!) im Krankenhaus liege, danke also für die 0 Punkte!

Irgendwann ist es dann so weit, die Zeit bleibt ja doch nie stehen und die Antwort "Ich weiß es noch nicht" auf die Frage, was man denn jetzt machen wird, wird nicht länger akzeptiert. Man denkt und denkt und denkt, spürt den Zeitdruck auf einem lasten, und je mehr man sich damit beschäftigt, desto unklarer wird man sich. Vielleicht wird "man" das auch nicht, aber bei mir ist das so.

Dann war ich mal mit einer meiner besten Freundinnen (und die ist so eine von den besagten, die sich, was ihren Studienwunsch betrifft, ansolut sicher ist) in Erlangen, weil die Technische Fakultät da Tag der offenen Tür hatte und auch wenn das nicht der Bereich sein wird, dem sie dann ab Oktober zugehören wird, wollten wir uns das mal anschauen, zumal man das ja mit einer kleinen Stadtbesichtigung gut verbinden kann. Und dann haben wir uns da einen Vorstelungsvortrag über Bio- und Chemieingenieurswissenschaften angehört, zu denen auch das Life Science Engineering gehört. Das hat echt interessant geklungen. Ingenieursberufe wurden in der Schule sowieso in den Himmel gelobt, die Zukunftsaussichten sind super, vor allem wenn es zusätzlich auch noch um das Wohlergehen des Menschen geht, darauf legt man ja großen Wert. Insgesamt schien das eine Menge meiner Anforderungen zu erfüllen. Also her damit, gleich mal online anmelden, bevor ich's mir wieder schlecht reden kann! 

In den darauffolgenden Wochen hab ich den Gedanken an das eigentliche Studieren dann erst mal ziemlich verdrängt. Gab ja noch genug Gründe zu feiern, außerdem den Mini-Berlin-Urlaub mit meinem Freund und Sommertage zu genießen. Ich hab mit meiner Freundin ausgemacht, dass wir eine WG gründen wollen, wir haben die Grundregeln unseres Zusammenlebens geplant und über Einrichtung gesprochen. Ich hab mich echt auf die neue Herausforderung und die Zeit gefreut.

Doch dann war die ganze Aufregung erst mal vorbei. Der August kam, mein Freund musste wieder viel arbeiten und war wenig zuhause. Meine besten Freundinnen hab mich auch immer mehr außen vor gelassen, wenn sie Sachen unternommen haben, nachdem ich vorher oft absagen musste, weil ich schon mit meinem Freund verabredet war. Insgesamt blieben nach der Schule nur noch zwei richtige, langjährige Freundinnen übrig, mit denen man dann auch tatsächlich oft was macht oder machen könnte bzw. wollen würde, alles andere hat sich fast vollkommen verloren. Und die hatten dann plötzlich auch noch Insider, die ich nicht verstehen konnte. Die sie mir auch nicht erklären wollten.

Und wie das so ist, wenn man viel alleine ist, wenig mit sich anzufangen weiß und einen Hang zum Grübeln hat, zerbricht man sich über alles den Kopf. Und wenn ich einmal damit anfange, dann denke ich nicht nach, bis ich zu einem Ergebnis komme. Nein, ich denke nach, bis ich unglücklich werde.
Und dann hat alles nach und nach angefangen, schief zu laufen. So schief, dass ich mein Gleichgewicht verloren habe.

Zunächst hat die Freundin, mit der ich eine WG gründen wollte, plötzlich ohne vorher etwas zu sagen, ein eigenes kleines 1-Zimmer-Apartment gehabt. Sie ist mit ihren Eltern nach Erlangen gefahren, hat sich eine Wohnung angeschaut und die hat sie bekommen. 
Ich war so enttäuscht, traurig und hab mich im Stich gelassen gefühlt und konnte es mir nicht mal erlauben, sauer auf sie zu sein und ihr meine Meinung zu geigen, man will ja seine letzten Freunde nicht auch noch verlieren. 

Aber weil das allein noch nicht reicht, nicht schlimm genug ist, kommt dann noch dazu, dass ich mir deshalb vermehrt Sorgen um die Finanzierung machen musste. Eine 2-Zimmer-Wohnung mit geteilter Miete wäre schon irgendwie bezahlbar gewesen. Deutlich bezahlbarer als etwas eigenes zumindest. Ohne BAföG hätte ich mein Studium sowieso nicht schaffen können, dazu können mich meine Eltern beim besten Willen nicht genug unterstützen. Eine Wohnung für 400-500 Euro im Monat (billiger kriegt man ja ohne ne wagenladung an Glück nichts), Studiengebühren und Studentenwerksbeitrag von 550 Euro pro Semester, Mensa, Nahverkehrsticket, Zugtickets zum Heimfahren (und ohne Waschmaschiene muss man das nunmal recht häufig), Lebensmittel, evtl. Wohnungseinrichtung und ein bisschen leben möchte man ja nebenher auch und ab und an was unternehmen. Woher nimmt man das ganze Geld? Findet man in so einer Studentenstadt, in der es sicher genug "Bedürftige" gibt, einen kleinen Nebenjob? Und was, wenn es ein paar Monate dauert, bis der BAföG-Antrag durch ist? Stehe ich dann auf der Straße, weil ich meine Miete nicht überweisen kann?

Mit all den Sorgen wuchs dann auch der Druck, schnell etwas zu finden. Etwas annehmbares und nicht zu überteuertes. Ich hab keine extrem großen Ansprüche und bin durchaus bereit, Kompromisse einzugehen, wenn der Preis stimmt, aber das tat es fast nie. Für die letzten Kellerwohnungen oder Ekelbuden verlangen die ein Heidengeld und sie können sich's erlauben, weil ihnen sogar die schlimmsten Löcher dankbar aus der Hand gerissen werden.  Aber so könnte ich niemanls hausen. Ich bin jemand, der sich's gerne auch mal zuhause gemütlich macht und seine Ruhe genießt, aber dazu muss ich mich auch in meiner Umgebung wohlfühlen können. Klar, dass man sich während der Studentenzeit keine Traumwohnung leisten kann, es sei denn man hat die richtigen Eltern, aber ich kann mich nicht mit einem Apartment arrangieren, in dem ich die Kühlschranktür nicht mal aufbringe, weil das Bett schon davor steht. Und ja, alles wirklich schon gesehen. Ich kann mich nicht jahrelang durch's Studium quälen, wenn ich Abends in meinem Bett sitze und mir nichts anderes wünsche, als wieder bei mir daheim zu sein.

Manchmal hab ich dann auch sehr schöne Angebote für Wohnungen gefunden, meine riesen Telefonphobie überwunden und sofort angerufen, oft auch nach 100 Anrufen niemanden erreicht, Absagen kassiert oder - welch Wunder! - einen Besichtigungstermin bekommen. Letzteres allerdings nur, damit meine aufkommenden Hoffnungen ein paar Stunden später wieder zerschlagen werden. Die Wohnung sei schon wieder vermietet, der Besichtigungstermin hätte sie also erledigt. 

Enttäuschung und Frust machten sich breit, mit jedem Scheitern ein bisschen mehr. Ich konnte nachts kaum noch schlafen, hatte keine Energie und Motivation mehr. Nicht mehr für die Wohnungssuche, aber auch für alle anderen Unternehmungen konnte ich mich kaum noch aufraffen. Tage habe ich damit verbracht, in meinem Bett zu liegen und der Uhr dabei zuzusehen, wie die Stunden vergehen. Ich war nur noch traurig und deprimiert, hatte durchgehend schlechte Laune und hab mein Zimmer im Prinzip nur verlasse, um ins Bad oder zum Kühlschrank zu gehen. 
Ich hab wieder sehr viel nachgedacht. hauptsächlich darüber, ob es richtig war, mich für diesen Studiengang einzuschreiben. Daran, dass ich das Thema interessant finde, hat sich nichts geändert. Aber hab ich mir das alles nur schön geredet? Wie sieht's schließlich mit dem Spaß aus? Ist doch ein sehr wichtiger Punkt und der scheint mir auf meiner Prioritätenliste etwas zu weit nach unten gerutscht zu sein. Ich bin nicht gerade naturwissenschaftlich veranlagt. Sicher, ich bin nicht schlecht darin und ich könnte mich mit meinem Ehrgeiz schon durchbeißen, aber hab ich Freunde daran?! Eher nicht. Vor allem nicht, wenn ich denke, dass ich dann 40, vllt. 50 Jahre Arbeitszeit damit überbrücken soll. Man lebt ja auch nur einmal und falsche Entscheidungen und verlorene Zeit kann man nie wieder gut machen. Das hat in mir sehr große Angst vor dem Studium geweckt.

Ich habe insgesamt unheimlich große Zukunftsängste. Ich denke sehr weit voraus und frage mich häufig, ob ich, wenn ich dann mal alt bin (werde ich in meinem Leben überhaupt die Chance haben, alt zu werden?), auf mein Leben zurück schauen kann und damit zufrieden bin. Denn das ist es, was für mich der Sinn des ganzen ist: Zufrieden mit dem zu sein, was man erreicht hat. Und zufrieden bin ich mit dem, was ich erreiche, nie. Dazu bin ich viel zu perfektionistisch und zu streng mit mir selbst. 

 Ich denke, jetzt ist klar, dass ich mein Studium nicht absage, weil mein Freund jetzt wahrscheinlich auch noch mit mir Schluss macht, auch wenn das das Fass "Ich" jetzt endgültig zum bersten bringt, weil er mir in den 8 Monaten, in denen wir zusammen waren, meine größte Stütze und mein bester Freund war. Ich gebe das auf, weil das einzige, was ich noch empfinden kann, wenn ich daran denke, im Oktober damit anzufangen, pure Angst ist. Weil sich das mit jedem Tag, an dem alles näher rückt, immer weiter ins unerträgliche potenziert.

Ich denke, ich habe gerade größere Sorgen, als ein Studium, an dem ich im Moment nur kaputt gehen würde. Deshalb nehm ich mir die Zeit, um in Ruhe über all das zu entscheiden - ein oder zwei verlorene Semester werden meine Zukunft nicht vollkommen versauen -  denn da stimmt etwas mit mir überhaupt nicht mehr. Ich meine, ich war zwar nie Miss-Sunshine höchstpersönlich, aber es ist absolut nicht normal und tragbar, nur noch traurig und antriebslos zu sein und Angst zu haben und ich muss mich jetzt erst mal selbst wieder in Ordnung bringen. 

Deshalb bin ich gerade hier, bei meiner Tante in München, habe alles bis auf ein paar Klamotten bei mir Zuhause stehen und liegen gelassen. Und ich versuche, einen Weg raus aus mir selbst zu finden.